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2014-12-15 | Corporate

Nachwuchswissenschaftlerin geehrt

Der Anton Paar Wissenschaftspreis für Chemie, dotiert aus den Mitteln der Santner-Privatstiftung, ist neben dem Habilitationspreis der GÖCH der wichtigste Preis für Nachwuchswissenschaftler/-innen auf dem Gebiet der Chemie in Österreich. Der diesjährige Preis wurde Dr. Miriam Unterlass verliehen. Dr. Unterlass ist Arbeitsgruppenleiterin am Institut für Materialchemie der TU Wien und forscht mit ihrem Team an nichtklassischen Polymersynthesen. Prämiert wurde die Publikation „Geomimetics for Green Polymer Synthesis: Highly Ordered Polyimides via Hydrothermal Techniques“ der Autoren B. Baumgartner, M. J. Bojdys und M. M. Unterlass, erschienen im Fachjournal Polymer Chemistry.

In dieser Publikation berichten Unterlass und ihre Co-Autoren über die Synthese rein organischer Polymere unter hydrothermalen Bedingungen, d. h. in heißem Wasser unter erhöhtem Druck. Inspiriert vom Bildungsmechanismus hochkristalliner Mineralien in der Erdkruste (geomimetics) können so hochgeordnete Hochleistungskunststoffe hergestellt werden. Unterlass arbeitet an vollständig aromatischen Polyimiden, die typischerweise unlöslich und zudem unschmelzbar sind. Da diese Polymere weder aus Lösung noch in der Schmelze umkristallisiert werden können, sind hohe Kristallinitätsgrade sehr schwer zu erreichen. Polyimide entstehen durch so genannte Kondensation, d. h. die Monomere reagieren unter Freisetzung von Wasser zur Polymerkette. In der Erdkruste bilden sich hochkristalline Mineralien wie zum Beispiel Silikate ebenfalls durch Kondensation und somit unter Wasserfreisetzung. Diese Parallele erkennend, verwendete Dr. Unterlass dem Mineralbildungsprozess analoge Reaktionsbedingungen und konnte rein aromatische Polyimide in lediglich heißem Wasser (ca. 200 °C) unter Druck (ca. 17 bar) synthetisieren. Die vorgestellte Synthese erreicht hohe Molekulargewichte und vollständig kristalline Polyimide nach lediglich einer Stunde. „Ganz nebenbei“ verzichtet die hydrothermale Polymerisation auf giftige hochsiedende Lösemittel und Katalysatoren.

Link zur Originalpublikation.

Dr. Miriam Unterlass:
Miriam Unterlass studierte Chemie, Verfahrenstechnik und Materialwissenschaften an der Universität Würzburg (Deutschland), der University of Southhampton (UK) und der Ecole Superieure der Chimie Physique Electronique Lyon (Frankreich). Unterlass promovierte 2011 in Kolloid- und Polymerwissenschaften am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam-Golm (Deutschland). Nach einem Post-doc-Aufenthalt an der Ecole Superieure de Physique et de Chimie Industrielles in Paris (Frankreich) leitet sie seit Dezember 2012 als Habilitandin eine Nachwuchsarbeitsgruppe an der TU Wien.